Die Vögel von St. Ives

30. November 2011

Am Ufer von St. IvesDass ich anglophil bin, ist wohl klar. Im Grunde meines Herzens bin ich auch auch tierlieb: Glühwürmchen verzaubern mich. Ich dachte immer, auch Vögel könnte ich in mein Herz schließen.

Gerade bin ich zurück von einer Recherchereise für ein neues Romanprojekt nach Cornwall, bei der ich nebenbei den Spuren berühmter Schriftstellerinnen und Schriftsteller folgen konnte. Mein Lieblingsort war St. Ives an der nördlichen Küste, das vielen aus Rosamunde-Pilcher-Filmen bekannt sein dürfte.

Der Ort ist bezaubernd, verwinkelt, fünf kleinere und größere Strände auf engstem Raum, und nicht nur tausende von Touristen, sondern auch Vögel. Besonders groß, laut und beeindruckend: Seemöwen.

Auf meiner Station vor St. Ives habe ich Fowey besucht, einen kleinen Fischerort an der südlichen Küste Cornwalls. Dort hat viele Jahre lang Daphne du Maurier gelebt, in einem kleinen Fährhaus, das heute noch ihr Sohn bewohnt. Deshalb kann man es nicht besichtigen.

Haus in St. IvesAber es gibt eine Daphne-du-Maurier-Buchhandlung, in der ich eine besonders schöne Ausgabe Ihres Romans „Rebecca“ erstanden habe und eine Short-Story-Sammlung, die mit „The Birds“ beginnt. Beide Vorlagen verfilmt von Alfred Hichcock. Ein kluges Vorwort von David Thomson zur Anthologie befasst sich mit den Unterschieden zwischen Film und Text und den Zwängen, denen Regisseure unterworfen sind. Offenbar hat Hichcock die Story „The Birds“ nur überflogen und die Grundstimmung filmisch umgesetzt, den Plot jedoch vollständig verändert. Was dem Film sicher gut getan hat. Die Print-Story, am Strand von St. Ives gelesen, könnte jedoch nicht spannender sein, die Leserin wird mit der Bedrohung allein gelassen, es gibt kein Happy End, wie Hollywood es verlangt.
Für mich allerdings schon, denn ich war gewarnt und „prepared“: Die aggressiven Vögel konnten mir nichts stehlen, weil ich nichts als Literatur konsumiert habe. Und den Vogelschiss haben auch andere abbekommen.

Fazit: Lesen bildet nicht nur und macht Spaß, es schützt auch noch!

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