Schreibprogramm im Test: DramaQueen 1.5.0

16. Juni 2014

DramaQueen ist eine Drehbuch-Software. Ich habe meine Pro-Version aber sofort an einem Romanprojekt und anschließend an einer Kurzgeschichte getestet. Beides, das sage ich gleich vorweg, hat mir viel Spaß gemacht und zudem meine Arbeit sehr erleichtert.

Ich schreibe viel, und an unterschiedlichen Projekten gleichzeitig. Manchmal liegen Tage dazwischen, bevor ich an ein begonnenes Projekt zurückkehre. Da ist es hilfreich, wenn ich meine Material- und Ideensammlung, erste Formulierungen und Szenenentwürfe an einem Ort aufbewahre. Das war und ist seit dem Test DramaQueen. Das Programm hilft mir, Geschichten zu entwickeln, zu schreiben, zu analysieren und zu visualisieren.  

Und das geht so: Hauptbestandteile (auf dem Bildschirm in Spalten von links nach rechts angeordnet und aus- bzw. einblendbar) des Programms sind:

Storytelling – eine besonders für den Spannungsaufbau wichtige Funktion, die je nach Storyline/Handlungsstrang anzeigt, wie eine Entwicklung verläuft, wo Wendepunkte liegen und wie der Spannungsbogen verläuft.

Für die Funktion „Visualisierung“ ist das sehr wichtig, weil man hier erkennt, ob man seinen Zweck erfüllt. (Elizabeth George hat einmal bei einer Lesung gesagt, sie hätte Ihren Roman wie eine Eieruhr angelegt, wo zu Anfang die Handlungsstränge parallel laufen, sich dann annähern, überschneiden und dann wieder trennen. So etwas kann man mit diesem Programm tatsächlich sichtbar machen.)

Outline – enthält die einzelnen Steps – oder im Roman Kapitel. Text – als Exposee oder als Treatment, das entspricht meinem ausführlicheren Szenenplan, oder als Drehbuch, was meinem Romanentwurf entspricht. Man kann zwischen den einzelnen Textebenen durch Klick wechseln. Ideen – mit einem Suchfenster und einem Textfenster für ausführlichere Beschreibungen.

Storylines – was im Roman Handlungssträngen entspricht, Figuren – mit ausführlichen vorgegebenen Charakteristika (Äußeres, Inneres, Credo, Wunde, Backstory, Fallhöhe usw., wirklich ausführlich), die variiert werden können, und Schauplätze.  

Das konkrete Projekt: Für mich war das Storytelling diesmal nicht so entscheidend, weil der Roman („Bad Boys‘ Pranks“, erschienen im Tandem Verlag, 2014) kurz war und nur drei Handlungsstränge enthält. Die hatte ich gut im Kopf. Bei größeren Projekten wird diese Funktion sicher wichtiger. Mein Bildschirm bestand aus:

  1. Outline

Hier entwickelte ich die Idee in Form von Stichworten, dann Kapitelüberschriften. Daneben hatte ich die breite Hauptspalte:

  1. Text

Dort formulierte ich ausführlicher, was in den einzelnen Kapiteln passiert. Daneben hatte ich als 3. Spalte:

  1. Figuren

Hier fixierte ich Aussehen, Alter, Motive, Hintergrundstories etc. Damit war ich ziemlich glücklich. Manchmal blendete ich mir noch

  1. Ideen

ein, um später etwas nachfüttern zu können, Ideen für Stimmungen zu sammeln oder weitere neue Gedanken nicht zu verlieren.

Die Schauplätze hatte ich im Kopf, in diesem Rahmen brauchte ich diese Funktion nicht. Durch die übersichtliche Anordnung hatte ich immer alles im Griff. Na ja, weitgehend. Im Schreibprozess kommt es ja immer wieder zu überraschenden Änderungen, wenn sich etwa Figuren verselbstständigen. Mit diesem Programm lässt sich das ganz einfach handlen. Wollte ich ein Kapitel einfügen oder verschieben, klickte ich auf die Stelle in der Outline, fügte neue Kapitel ein und hatte in der Spalte daneben gleich die passende Textstelle, um sofort loszuformulieren.

Ich habe nicht oft vorher einen so ausführlichen Szenenplan gehabt, der sich im Schreibprozess verändert und verfeinert hat. Und die drei Textebenen haben mir sehr geholfen, die einzelnen Kapitel zu verfeinern. Die gesamte Übersichtlichkeit des Projektes ist wunderbar.

Mein Fazit: Wer – wie ich – gerne strukturiert arbeitet und am liebsten alles übersichtlich an einem Platz speichert und auch anschaut, sollte DramaQueen ausprobieren. Es ist ein sehr vielseitiges Programm, das durchaus nicht nur für Drehbücher taugt, sondern auch für sämtliche Vorarbeiten an Romanen oder Kurzgeschichten geeignet ist. Den eigentlichen Romanentwurf habe ich dann allerdings in Word geschrieben (d. h. ich habe den letzten Textentwurf, der dem „Drehbuch“ entspricht, in Word kopiert und dort weiter verarbeitet), weil der Verlag einige Formatierungswünsche hatte. Da wollte ich kein Risiko eingehen und möglicherweise nachträglich alles neu formatieren müssen. Möglicherweise funktioniert das aber auch in DramaQueen.

Eine neue Version ist schon erschienen, mit noch mehr Features auch fürs Prosaschreiben, u.a. mit Normseiten. Ich habe es noch nicht getestet, bin aber schon sehr gespannt und denke, dass Formatierungsprobleme dort nicht auftauchen werden. DramaQueen gibt es als dauerhaft kostenlose Basisversion, als Plus- (99 Euro oder 11,90 Monat/Mietkauf für 9 Monate) und als Pro-Version (297 Euro Sofort- oder 17,90 Euro Monat/Mietkauf für 18 Monate), jeweils für 30 Tage kostenlos zum Testen. Infos und Kauf hier: http://dramaqueen.info/

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